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DLBCL – Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom

FA Dr. Kathrin Strasser-Weippl FA Dr. Kathrin Strasser-Weippl

Wilhelminenspital, Wien
1. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie und Hämatologie

Wilhelminenspital

DLBCL
Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom

Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom gehört zu den so genannten aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen. „Aggressiv“ bedeutet einerseits, dass der Verlauf der Erkrankung ohne Therapie rasch fortschreitend ist. Andererseits sind hochmaligne Lymphome selbst bei fortgeschrittener Erkrankung durch Chemotherapie prinzipiell heilbar. Das diffus großzellige B-NHL (DLBCL) ist das häufigste hochmaligne Lymphom und tritt bei ca 3-5/100000 Personen im Jahr auf. Obwohl der Häufigkeitsgipfel dieser Erkrankung wie bei den meisten Lymphomen zwischen dem 40. und 80. Lebensjahr ist, können auch sehr junge Patienten an einem DLBCL erkranken. Es werden verschiedene ursächliche Faktoren, wie virale Infekte, vorangegangene Bestrahlung oder Toxine diskutiert, letztlich ist aber unklar, warum die Inzidenz des DLBCL seit Jahren steigt.

Bei ca. einem Viertel aller Patienten wird die Erkrankung in einem frühen Stadium (I-II) diagnostiziert, während bei der Mehrheit eine fortgeschrittene Krankheit vorliegt. Zur Diagnosestellung wird meist ein Lymphknoten entnommen. Mittels immunologischer und molekularbiologischer Untersuchungen kann die Diagnose gesichert werden, was insbesondere zur Abgrenzung von den seltenen, sehr aggressiven lymphoblastischen Lymphomen wichtig ist.

Viele Patienten mit einem diffus großzelligen Lymphom berichten bei Diagnosestellung über eine sogenannte B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust). Zusätzlich können Lymphknotenschwellungen, Müdigkeit, Blässe und eine Infektneigung auffallen. Sobald der Verdacht auf ein Lymphom erhärtet wurde, müssen neben der Entnahme eines Lymphknotens noch sogenannte Staging-Untersuchungen durchgeführt werden, um das Ausmaß der Erkrankung genau zu dokumentiert. Dazu gehören Computertomografien der Lunge und des Bauchraums, ein Ultraschall der Lymphknotenstationen an Hals, Achseln und Leisten, und eine Knochenmarkspunktion zum Ausschluss eines Befalls des Knochenmarks durch Lymphomzellen. Auch eine PET-Untersuchung (Positronen-Emissions-Tomografie) wird teilweise am Beginn der Erkrankung als Staging eingesetzt, ist aber nicht Teil der Routineuntersuchungen.

Die weitere Therapieplanung hängt von der Ausdehnung der Erkrankung ab. Die Grundlage der Therapie des DLBCL ist eine Chemo-Immuntherapie nach dem R-CHOP-Schema. Diese Therapie enthält den Antikörper Rituximab (R), der gegen den Oberflächenmarker CD20, welcher auf den Lymphomzellen zu finden ist, gerichtet ist. Rituximab kann zu allergischen Reaktionen und geschwächter Abwehrlage führen. Die Hauptnebenwirkungen der Chemotherapie CHOP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Oncovin, Aprednisolon) sind Haarausfall, Übelkeit, Blutbildveränderungen/Infektanfälligkeit und selten Nervenkribbeln. Die Chemotherapie wird nach der Größe und dem Gewicht des Patienten individuell dosiert. Im Rahmen der Chemotherapie werden meist Stammzellen gesammelt, um später die Möglichkeit einer Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation zu haben.

Sollte nur ein Lymphknotenareal befallen sein, so kann die Krankheit mit 3 Zyklen R-CHOP (in 2-3-wöchigem Abstand) und anschließender Strahlentherapie der befallenen Regionen geheilt werden. Falls die Krankheit weiter ausgedehnt ist, müssen 6-8 Zyklen R-CHOP (in diesem Fall meist ohne anschließende Strahlentherapie) verabreicht werden. Die optimale Anzahl der Therapiezyklen wird derzeit in Studien geklärt. In manchen Zentren wird das Ergebnis einer PET-Untersuchung nach dem 3. Zyklus für diese Entscheidung herangezogen.

Mit den genannten Therapiestrategien erreichen ca. 75% aller Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung eine komplette Remission. Falls nach Abschluss der Chemotherapie noch Tumorgewebe nachgewiesen werden kann, so kann auch hier die Strahlentherapie zum Einsatz kommen. Bei jungen Patienten mit ungenügendem Erfolg einer konventionellen Chemotherapie sollte die Durchführung einer Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation erwogen werden.

Falls es im späteren Verlauf zu einem Rezidiv kommt, stehen andere Chemotherapie-Protokolle (z.B. Dexa-BEAM), aber auch andere Antikörper, insbesondere Zevalin (Ibritumomab Tiutexan) zur Verfügung. Bei Patienten, denen eine Hochdosistherapie zugemutet werden kann, sollte diese im Fall eines Rezidivs in jedem Fall durchgeführt werden, da hierdurch die Krankheit weiterhin geheilt werden kann. In seltenen Fällen kommt bei einem neuerlichen Rezidiv die Durchführung einer allogenen (Fremdspender-) Knochenmarkstransplantation in Frage.

Die durchschnittliche Heilungsrate beträgt für Patienten mit einem DLBCL ca. 70%, wobei das Risiko für einzelne Patienten deutlich niedriger oder höher sein kann. Einen besonders guten Verlauf weisen jüngere Patienten mit Stadium I-II, ausschließlichem Befall von Lymphknoten, gutem Allgemeinzustand und normalem LDH-Wert auf.