Myelom Lymphom Kontaktinformationen
Raderer Markus Univ. Prof. Dr. Markus Raderer

Univ. Klinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Onkologie

Medizinische Universität Wien

MALT-Lymphom

Lymphome des mukosa-assoziierten lymphatischen Gewebes (MALT) zählen mit etwa 7% aller neu diagnostizierten Lymphome zu den relativ häufigen Lymphomtypen. Seit der Erstbeschreibung dieses Lymphoms im Jahr 1983 durch die britischen Pathologen Peter Isaascson und Dennis Wright wurden entscheidende Fortschritte in unserem Wissen über Entstehung und Behandlung von MALT Lymphomen gemacht.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Lymphomtypen entstehen MALT-Lymphome nicht in Lymphknoten oder dem Knochenmark, sondern in anderen Organen und werden daher als auch als Prototyp der sogenannten extranodalen Lymphome bezeichnet. Es ist im Wesentlichen durch einen sehr langsamen klinischen Verlauf gekennzeichnet, sodass auch in fortgeschrittenen Stadien die Lebenserwartung der betroffenen Patienten durch das Lymphom nicht wesentlich eingeschränkt wird.

Etwa 50% aller MALT Lymphome werden im Magen diagnostiziert, allerdings können sie auch in jedem anderen Organ des menschlichen Körpers gefunden werden, mit einer Häufung in den Speicheldrüsen, dem Auge, der Lunge, der Schilddrüse sowie dem Darm. MALT-Lymphome werde in ihrer Entstehung in hohem Mass durch chronische Infektionen oder Entzündungen begünstigt, wie Infektion mit dem Bakterium Helicobakter pylori im Magen oder durch lang bestehende sogenannten Autoimmunerkrankungen (Sjögren Syndrom, Hashimoto Thyroiditis).

Gerade die Assoziation mit Helicobakter pylori im Magen hat eine Revolution in der Therapie von MALT Lymphomen des Magens eingeläutet, als gezeigt werden konnte, dass durch eine entsprechende Antibiotika-Therapie nicht nur die Bakterien verschwinden, sondern in weiterer Folge in einem hohen Prozentsatz auch das Magenlymphom in 75% der Fälle zur Rückbildung gebracht wird und u.U. ganz verschwindet. Aus diesem Grund ist die Antibiotika-Therapie bei MALT Lymphomen des Magens heute als Standardtherapie zu betrachten, Voraussetzung ist allerdings eine Beschränkung des Lymphoms auf den Magen. Nach heutigem Wissen ist eine Antibiotika-Therapie gegen Helicobacter pylori bei fortgeschrittener Erkrankung oder bei Lokalisationen außerhalb des Magens nicht wirksam. Die Rückbildung des Lymphoms kann allerdings nach erfolgreicher Therapie der Helicbakter-Infektion bis zu 18 Monate betragen. Aus diesem Grund ist eine Mindestbeobachtungszeit von einem Jahr (mit Kontroll-Gastroskopien alle 3 Monate) notwendig, bevor man diese Antibiotika-Therapie als unwirksam betrachten kann und alternative Therapiemaßnahmen setzt.

In der Behandlung von Lymphomen generell, aber auch speziell bei MALT Lymphomen spielt eine operative Entfernung keine Rolle und sollte daher vermieden werden, da sie mehr Nebenwirkungen/Schäden als Nutzen verursacht. Während früher die Strahlentherapie eine hervorragende Rolle in der Therapie des MALT-Lymphoms spielte (weil man diese Lymphome als zu 90% lokalisierte Erkrankungen betrachtete) haben jüngere Ergebnisse gezeigt, dass Chemotherapie (unter Umständen in Verbindung mit einem monoklonalen Antikörper) zunehmend in Erwägung gezogen werden sollte und hochwirksam ist. Allerdings ist derzeit noch kein Therapie-Standard definiert, sodass weitere Forschungen dringend notwendig sind, um weitere Fortschritte in der Therapie des MALT-Lymphoms zu erzielen.