Myelom Lymphom Kontaktinformationen
Ass. Dr. Gudrun Pohl Ass. Dr. Gudrun Pohl

Wilhelminenspital Wien
1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie

Wilhelminenspital Wien

Morbus Hodgkin

Der Morbus Hodgkin (sprich: Hodschkin) ist eine bösartige (maligne) Erkrankung des Lymphsystems und wird auch als „Lymphdrüsenkrebs“ bezeichnet. Das Wort Morbus bedeutet auf lateinisch Krankheit. Diese Krankheit wurde nach dem englischen Arzt Thomas Hodgkin benannt, der sie im Jahr 1832 erstmals beschrieb.

Biologie

Das Lymphsystem des Menschen ist im ganzen Körper verteilt. Es besteht aus Lymphgefäßen, die sich, ähnlich wie die Blutgefäße, im gesamten Körper verzweigen. Die Lymphgefäße münden in kleine, bohnenförmige Organe, die sogenannten Lymphknoten. Diese sind an bestimmten Orten im Körper lokalisiert, zum Beispiel in den Achseln, in den Leisten oder aber auch im Bauchraum und Brustkorb. Die Lymphknoten beherbergen Lymphozyten, die Abwehrzellen des Körpers. Es gibt B und T-Lymphozyten, die jeweils spezielle Aufgaben zugeteilt bekommen. Da sich im gesamten Körper Lymphgewebe befindet, kann sich der Morbus Hodgkin auch überall ausbilden. Der Morbus Hodgkin zählt zu den sogenannten Lymphomen. Bei den Lymphomen kommt es zu einer malignen (bösartigen) klonalen Proliferation von Lymphozyten. Klonal bedeutet, dass von einer Ursprungstumorzelle Millionen von Kopien angefertigt werden, die dann auch wieder alle die Möglichkeit besitzen, sich unendlich zu teilen und deswegen das normale Körpergewebe verdrängen. Die Lymphome werden in zwei Hauptgruppen unterteilt: Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome. Für den Morbus Hodgkin typisch sind sogenannte ein- und mehrkernige Hodgkin- und Reed-Sternberg-Riesenzellen. Die Riesenzellen sind die eigentlich bösartig wachsenden Zellen des Hodgkin-Lymphoms. Sie machen aber nur einen kleinen Teil des Lymphoms aus, der Rest sind andere Lymphozyten oder Zellen des Blutes wie auch Bindegewebszellen (Fibroblasten). Die Vorläuferzellen für die Hodgkin- und Reed-Sternberg-Zellen sind B-Lymphozyten. Auch beim Non-Hodgkin-Lymphom kommt es zur klonalen Vermehrung von Lymphozyten, entweder B- oder T-Lymphozyten. Das Bild sieht unter dem Mikroskop aber anders aus, und auch die Behandlung ist eine andere, sie erfolgt mit einer anderen Chemotherapie. Wieso ein M. Hodgkin entsteht, ist bislang unbekannt. Untersuchungen haben ergeben, dass oft Menschen in ärmeren Bevölkerungsschichten daran erkranken. Über die Ursachen wird viel spekuliert, Zusammenhänge könnten mit dem sogenannten Epstein-Barr-Virus bestehen. Dieses führt zum Pfeifferschen Drüsenfieber, eine fieberhafte Erkrankung mit Lymphknotenschwellung.

Diagnose

Die Patienten bemerken oft schmerzlos vergrößerte Lymphknotenpakete an verschiedenen Stellen des Körpers, meistens im Halsbereich (60%), aber auch an anderen Stellen wie zum Beispiel dem Brustkorb (30%), der Achselhöhle (20%), den Leistenbeugen (15%) oder dem Bauchraum (15%), oft auch an mehreren Stellen gleichzeitig. Befinden sich die vergrößerten Lymphknoten im Brustkorb, haben die Patienten oft einen lästigen Reizhusten. Früher hat man oft den typischen „Alkoholschmerz“ beschrieben, hier schmerzen den Patienten nach Alkoholgenuss die Lymphknoten. Bei einem Drittel der Patienten kommt es bereits vor Diagnosestellung auch zum Auftreten von Allgemeinsymptomen wie Schwäche, Juckreiz, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Die letzten drei Symptome nennt man auch „B-Symptomatik“. Be Verdacht auf Morbus Hodgkin muß zur Sicherung der Diagnose eine Probe aus den vergrößerten Lymphknoten entnommen werden. Das kann mit lokaler Betäubung oder aber auch in Narkose erfolgen. Besser ist es, ein großes Gewebestück zur Analyse zu gewinnen, je kleiner umso weniger aussagekräftig ist ein negativer Befund. Erst durch die Gewebeprobe (Biopsie) kann unter dem Mikroskop die Diagnose Morbus Hodgkin gestellt werden.

Staging

Um festzustellen, wie sehr sich der M. Hodgkin ausgebreitet hat, sind vor beginn der Therapie einige Durchuntersuchungen nötig, die man als „Staging“ bezeichnet. Dazu gehören unter anderem eine Knochenmarksbiopsie, verschiedene Röntgenuntersuchungen) (Lungenröntgen, Computertomografie von Lunge und Bauch, Ultraschalluntersuchengen von Lymphknotenstationen und eine nuklearmedizinische Untersuchung).

Je nachdem wie viele Lymphknotenstationen betroffen sind, teilt man den M. Hodgkin in 4 Stadien ein:

Stadium I Befall eines einzigen Lymphknoten
Stadium II Befall von zwei oder mehr Lymphkontenregionen auf einer Seite des Zwerchfells
Stadium III Befall von zwei oder mehr Lymphkontenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells
Stadium IV ausgedehnter Befall eines Organs außerhalb des Lymphsystems

Prognose

Die Prognose des M. Hodgkin ist an und für sich gut, auch in fortgeschrittenen Stadien können die meisten Patienten geheilt werden.

Therapie

Je nachdem welches Stadium vorliegt, erhalten die Patienten eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie. Bei der Strahlentherapie werden hochenergetische Röntgenstrahlen zum Abtöten von Krebszellen auf die befallenen Stellen verabreicht. Bei der Chemotherapie werden Medikamente in Form von Tabletten oder Infusionen dem Körper zugeführt und sollen somit im ganzen Körper verteilt werden und die Tumorzellen vernichten. Beim Morbus Hodgkin erfolgt meist eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie. Diese Erkrankung spricht ausgezeichnet auf diese Behandlung an. Deswegen und auch, weil die Heilungschancen sehr gut sind, sollte man immer versuchen, die Therapie zeitgerecht zu verabreichen und Nebenwirkungen schon im Vorfeld zu bekämpfen.

Rezidiv

Auch wenn der Lymphdrüsenkrebs nach einiger Zeit zurückkehrt, gibt es noch genügend Therapiemöglichkeiten, um den Tumor zu besiegen. Im Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors) wird auch eine Knochenmarkstransplantation durchgeführt.

Zusammenfassend ist der M. Hodgkin eine bösartige Erkrankung des Lymphgewebes, für deren Entstehung es noch keine Erklärung gibt, die aber durch Chemo- und Strahlentherapie heutzutage in den meisten Fällen geheilt werden kann.