13 Jahre mit Diagnose Multiples Myelom

von Jörg Brosig, 23.Juni 2004
Obmann-Stellvertreter Myelom Kontakt Österreich
MM Patient, Diagnose 1991 mit 30 Jahren


Ich kämpfe nun seit 13 Jahren gegen eine unheilbare Krebserkrankung. Ich kämpfe mit der Hoffnung, diesen harten Kampf doch noch eines Tages gewinnen zu können. Unheilbar krebskrank, was macht man als Betroffener mit einer solchen Diagnose?

Viele Menschen werden sich schon einmal Selbst diese Frage gestellt haben. Ein Teil denkt sicherlich auch an den Selbstmord. So glaubte ich auch zu verfahren. Mein Vater zeigte mir in meiner Kindheit einen großen Baum, dort habe sich mal ein junger Mann aufgehängt und er hatte ihn damals entdeckt. Ich war von diesem riesigen Baum so beeindruckt, dass ich vergaß meinen durch einen unerwarteten Schlaganfall verstorbenen Vater je nach dem Grund zu fragen: Warum hatte sich dieser Mann dort aufgehängt? War er etwa unheilbar krank? War dieser Mann in einer hoffnungslosen Lage? Dieser alte mit riesigen Ästen gewachsene Baum ging mir nie aus dem Kopf. Wenn mal der Fall eintreten sollte unheilbar krank zu werden, dann würde ich fest entschlossen dort mein Leben enden, dachte ich.

Mein 30. Geburtstag und diese vernichtende Diagnose

Es fing an im Sommer 91, der 1 August, seit Tagen plagte mich ein Durchfall. Der Weg zum Hausarzt schien mir notwendig. Er wird mir ein Mittelchen verschreiben und dann wird’s schon werden, glaubte ich. Mit einem Lächeln begrüßte mich mein Hausarzt. Nehmen sie dieses Mittel ca. 3 Tage, wenn es nicht hilft dann kommen sie bitte wieder. Nach 4 Tagen ohne Erfolg des Mittels beschloss ich meinen Hausarzt wieder aufzusuchen. Es kann sein, so der Doktor, dass sie eine Entzündung im Körper haben. Wir werden mal ihr Blut untersuchen. Am nächsten Tag sollte ich wieder vorstellig werden, anders als sonst begrüßte mich mein Arzt mit einem sehr ernsten Gesicht. Ich spürte plötzlich etwas Schlimmes auf mich zukommen. Was wird es sein? Ich habe einen Verdacht auf Plasmozytom (Multiples Myelom). Was ist denn das, fragte ich erschrocken. Es ist ein Verdacht Herr Brosig, diesen Verdacht möchte ich durch einen Experten überprüfen lassen. Mein Hausarzt reagierte nicht auf die Frage ob es Krebs sei. Seinem Gesichtsausdruck entnahm ich schreckhaft ein klares Ja. Am 14 August haben sie einen Termin beim Experten. Gehen sie zunächst davon aus, dass sich mein Verdacht nicht bestätigt. Der 14 August kam, um 8:30 Uhr wurde mir nochmals Blut abgenommen. Danach mittels Knochenstanze Knochenmark entnommen. Um 15:30 Uhr wurde der schlimme Verdacht dann leider bestätigt. Kurz und knapp wurde mir mitgeteilt, dass ich dringend Chemotherapiert werden muss! Schockiert und wirr nachdenklich verließ ich das Krankenhaus. Was jetzt? Die ganze Familie und Freunde warten auf dich. Alle wollen mit mir meinen Geburtstag feiern. Sage ich es Ihnen überhaupt? Soll ich denn überhaupt noch nach Hause fahren? Eine ganze Zeit, es war wie eine Ewigkeit, gingen mir alle Dinge durch den Kopf. Warum ausgerechnet ich? Ich habe doch niemanden etwas böses getan. Der Baum? Nein, ohne zu kämpfen nicht! Ich werde kämpfen! Ich startete mein Auto und fuhr tief enttäuscht und weinend in Richtung Heimat. .

13 Jahre später

Ich habe gekämpft und dieser Kampf hat sich auch ohne eine Chance zur Heilung gelohnt. Immerhin ganze dreizehn Jahre durfte ich bisher trotz unheilbarer Krebserkrankung leben. Ohne die Unterstützung meiner Familie, den echten Freunden, der fachkompetenten Ärzteschaft und einiger Mitpatienten hätte ich es aber nicht geschafft! Auch wenn ich kein regelmäßiger Kirchgänger bin, wo auch immer ich mich befinde, täglich spreche ich in aller Stille meinen Dank an den lieben Gott aus! Einen ganz besonderen Dank möchte ich auch an die unzähligen Mitpatienten- und Angehörige aussprechen. Aus welcher Nation sie auch kommen, egal welche Sprache sie sprechen oder Hautfarbe sie haben, auf dieser Welt leben fantastische Menschen – Danke das es Euch gibt!

Meine umfangreichen Erfahrungen aus der Zeit der “Berg und Talfahrten“ gebe ich seit 7 Jahren an meine oft verzweifelten Mitpatienten und deren Angehörige weiter.

SELBSTHILFE = Tue Gutes und Du wirst Gutes ernten!