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Fragen und Antworten zu Amyloidose

Amyloidose / Eiweißablagerungen

Fragen Jörg Brosig
Leiter der Multiples Myelom Selbsthilfegruppe NRW e.V.
Obfrau-Stellvertreter Myelom Hilfe Österreich
Antworten Dr. med. Dr. rer nat. Heinz Dürk
Chefarzt der Abt. Hämatologie / Onkologie / Immunologie
St. Marien Hospital Hamm

Bei einigen Patienten mit monoklonalen Gammopathien entwickeln sich sogenannte Amyloidosen (Eiweißablagerungen)

Wie und in welcher Anzahl entstehen diese Eiweißablagerungen?

Es gibt mehrere Arten der Amyloidose. Die Art und die Behandlung hängt von dem Vorläufermolekül (im Blut zirkulierende Eiweißverbindung) ab. Bei der Amyloidose des multiplen Myeloms und der monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz, handelt es sich immer um Ablagerungen, die aus den so genannten leichten Ketten der Antikörpermoleküle gebildet werden. Diese Eiweißverbindungen werden im Körper umgebaut und letztlich in den Organen als Amyloid abgelagert.

Nach der Literatur beträgt die Inzidenz der Amyloidose 8 Fälle pro 1 Million Menschen pro Jahr. Das multiple Myelom kommt mehr als 4 mal häufiger vor als eine Amyloidose.

Können sich diese Eiweißablagerungen schon bei der monoklonalen Gammopathie unbestimmter Signifikanz bilden?

Diese Aussage ist richtig. Alle Patienten mit einer MGUS können eine Amyloidose entwickeln, wenngleich das Risiko relativ gering ist. Eine MGUS-Situation kommt relativ häufig vor, eine Amyloidose ist jedoch selten. Die Amyloidose beim MGUS wird folgerichtig als primäre Amyloidose bezeichnet, während die Amyloidose im Verlauf der Myelomerkrankung sekundär entsteht.

Welche Amyloid Formen (Eiweißablagerungen) gibt es?

Wie bereits erwähnt gibt es verschiedene Erkrankungen, die mit einer Amyloidbildung einhergehen. Die so g. familiäre Amyloidose ist erblich bedingt. Durch eine Mutation wird eine verändertes Eiweiß (Präalbumin) in der Leber gebildet, das dann im Verlauf der Erkrankung über Jahre in den Organen abgelagert wird bis letztlich Krankheitszeichen entstehen. Eine weitere Form entsteht bei Erkrankungen, die mit chronischen Entzündungen, z.B. bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen, einhergehen. Beim multiplen Myelom und bei der MGUS wird das Amyloid-Molekül durch die „leichte Kette“ der Antikörper gebildet. Man kann die beiden Arten der leichten Kette im Amyloid unterscheiden. Diese Art der Amyloidose wird der Herkunft entsprechend als AL-Amyloid bezeichnet. Die physikalischen Eigenschaften des Amyloids sind bei allen Formen sehr ähnlich. Deshalb wird die Gruppe dieser Erkrankungen als Amyloidosen bezeichnet. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere sehr seltene Amyloidosen, die z. B. auch nur ein Organ schädigen.

Wo lagert sich dieses Eiweiß denn am häufigsten ab?

Prinzipiell ist eine Amyloidablagerung in allen Organen möglich. Am häufigsten sind die Nieren, der Magen-Darm-Trakt, das Nervensystem, das Herz, die Leber, die Milz, das Knochenmark, die Haut und die Speicheldrüsen betroffen. In seltenen Fällen kann auch die Lunge bzw. die Luftröhre mit ihren Verzweigungen und das Skelett befallen sein.

Welche Symptome könnten mit einer Amyloidose in Zusammenhang gebracht werden?

Hautblutungen, besonders typisch in den Augenlidern, Nierenschädigung mit oft charakteristischem Eiweißmuster im Urin. Nervenschäden z. B. Polyneuropathie, Schädigungszeichen des unwillkürlichen Nervensystems (z. B. unerklärliche Ohnmachtsanfälle) Herzrhytmusstörungen und/oder Herzleistungsschwäche mit häufig typischen Veränderungen im Ultraschallbefund des Herzens. Ungeklärte Durchfälle/Übelkeit unklarer Ursache sowie Milz- und/oder Lebervergrößerung.

Wie wird dieser klinische Verdacht nun zuverlässig geprüft?

Die Verdachtsdiagnose muss durch eine feingewebliche Untersuchung abgesichert werden. Die höchste Trefferrate erzielt man, wenn die Gewebsprobe im betroffenen Organ entnommen wird. Als Suchtest eignet sich eine Fettgewebs- oder eine Biopsie der sehr kleinen Speicheldrüsen in den Lippen in Verbindung mit der Amyloidfärbung in der Knochenmarkbiopsie.

Könnte man diese Eiweißablagerungen nicht einfach operativ entfernen?

Nein, dies ist deshalb nicht möglich, da die Ablagerungen im ganzen Organ mehr oder weniger gleichmäßig verteilt sind. Meist sind auch mehrere Organe gleichzeitig betroffen. Meist besteht ein generalisierter Befall.

Welche Therapiestrategien könnte man gegen diese Eiweißablagerungen denn dann einsetzen?

Die Behandlung zielt darauf ab, den „Nachschub“ für die Amyloidablagerungen zu unterbrechen. Dies gelingt am besten mit den Therapien, die man auch zur Behandlung des Multiplen Myeloms einsetzt. Allerdings muss bei der Wahl der Therapie der Organbefall und die möglichen Nebenwirkungen entscheidend berücksichtigt werden. Sofern eine hochdosierte Chemotherapie mit autologer (körpereigener) Blutstammzellrückgabe durchgeführt werden kann, ist dies die Therapie der ersten Wahl. Reguläre Chemotherapien sind ebenso wie der Einsatz der neueren Substanzen wie Thalidomid und Bortezomib in Abhängigkeit des Patienten möglich und wirksam.

Woran liegt es, dass ein nicht geringer Teil der Ärzte diesen Verdacht scheinbar nicht einmal prüfen will?

In der Vergangenheit haben uns einige verzweifelte Multiples Myelom Patienten um Hilfe gebeten, sie berichteten von einer ständigen Übelkeit, obwohl sie seit längere Zeit (viele Monate) keine Strahlen- oder Chemotherapie erhalten haben. Einzelne Patienten berichteten auch von einer Senkung der Herzfrequenz. Auch diese Nebenwirkung fand ohne einen Zusammenhang mit einer Therapie – z.B. Thalidomid – statt.

Dieses Symptom haben wir – als erfahrene Selbsthilfegruppenleiter – in den Zusammenhang mit Eiweißablagerungen am Verdauungstrakt (1. Fall) oder des Herzens (2.Fall) gebracht. Erstaunlich war unsere Feststellung, dass einige behandelnde Ärzte diesen Verdacht noch nicht einmal überprüft haben, obwohl die Patienten deutlich die Frage danach gestellt haben.

Woran liegt es, dass ein nicht geringer Teil der Ärzte diesen Verdacht scheinbar nicht einmal prüfen will?

Ich gehe davon aus, dass hier noch ein erheblicher Schulungsbedarf besteht. Dies mag einmal daran liegen, dass die Amyloidose insgesamt selten vorkommt und noch vor wenigen Jahren als kaum beeinflussbar angesehen wurde.

Wird dieses spezielle Thema denn nicht in Fortbildungsveranstaltungen behandelt?

Die Amyloidose hat inzwischen auch das Bewusstsein der deutschen Hämatologie erreicht, es bleibt jedoch noch viel zu tun. Die Hämatologen der USA und Großbritanniens sind uns deutlich voraus. Ich gehe davon aus, dass inzwischen nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch im Vereinigten Königreich erheblich mehr Mittel für die medizinische Forschung und Weiterbildung zur Verfügung stehen. Auch hier dürfen wir nicht nachlassen für eine Verbesserung zu streiten.

Sollten Patienten, Angehörige oder Interessierte weitere Fragen zum Thema haben, so können diese per E-Mail an Herrn Dr. Dr. Dürk gerichtet werden.

Hiermit bedanken wir uns im Namen der interessierten Multiples Myelom Patienten bei

Herrn Dr med.Dr.rer.nat. Heinz Dürk.