Archive for April, 2006


Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie

04/30/2006 12:03:00 PM

Wels, 27. April 2006

Komplette Remission nach Viertlinientherapie

Dr. Ludwig Wimmer
Klinikum der Kreuzschwestern, Grieskirchnerstrasse 42, 4600 Wels

Kasuistik im Rahmen der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (ÖGHO) in Wels, 27. April 2006


Im Jahre 2000 wurde bei einem 67-jährigen Patienten die Diagnose eines multiplen Myeloms im Stadium III A gestellt. Damals entschied sich der niedergelassene Internist aufgrund einer symptomatischen Anämie und Thrombozytopenie zur Einleitung einer Chemotherapie mit Melphalan und Prednisolon. Insgesamt wurden 8 Zyklen verabreicht. Es konnte damit eine Normalisierung des Blutbildes erzielt werden. Von einer aggressiven Therapie im Sinne einer Stammzelltransplantation wurde aufgrund eines Cor hypertonicums mit einer gering reduzierten Linksventrikelfunktion und eines schwer einstellbaren Hypertonus sowie einer Gichtarthritis abgesehen.

Im Jahre 2001 kam es wiederum zur Progression der Grunderkrankung nach einer 3-monatigen Therapiepause. Nach Reevaluierung der Linksventrikelfunktion mit einer gering reduzierten Auswurfsfraktion wurden 5 Zyklen einer cystostatischen Chemotherapie mit Vincristin, Adriamycin und Dexamethason gegeben. Wiederum kam es zur Normalisierung des Blutbildes. Nach Beendigung der Chemotherapie führten wir eine Erhaltungstherapie mit Interferon durch. Diese musste schlussendlich nach erfolgter Dosisreduktion wegen einer weiter bestehenden Leukopenie vorzeitig abgebrochen werden. Der Patient hatte daraufhin eine 10-monatige Therapiepause.

Im Jahre 2002 war wiederum ein stationärer Aufenthalt notwendig wegen einer Panzytopenie. Nochmalig bei gleich bleibender Linksventrikelfunktion wurden 6 Zyklen nach dem VAD-Schema gegeben. Wiederum bestand ein Ansprechen auf diese Therapie mit einer Normalisierung des peripheren Blutbildes. Aufgrund der Risikofaktoren eines erhöhten Beta 2-Mikroglobulins und eines deutlich erniedrigen Albumins führten wir diesmal eine Erhaltungstherapie mit Thalidomid 200 mg durch. Diese musste ebenfalls vorzeitig abgebrochen werden wegen einer symptomatischen Bradykardie. 12 Monate später war wiederum eine Therapie notwendig.

Diesmal erhielt der Patient eine Bortezomid-Monotherapie. Wir entschieden uns schlussendlich für diese Behandlung aufgrund der sensationellen Daten der Summit-Studie. Dies war eine Phase II-Studie, die im Jahre 2003 in New England Journal of Medicine erschienen war. Die Studie war bei massiv vortherapierten Patienten mit Ansprechraten bis zu 35 % ausschlaggebend für die Zulassung von Bortezomid in der Drittlinientherapie.

Bereits nach dem II.Zyklus konnte eine komplette Remission erzielt werden. Insgesamt wurden 6 Zyklen verabreicht. Nach dem V.Zyklus kam es zu einem Auftreten einer geringen Polyneuropathie. Dies veranlasste uns beim VI..Zyklus die Dosis von Bortezomib auf 1 mg/m² zu reduzieren. Durch Bortezomib konnte bisher das beste Ansprechen erzielt werden. Derzeit besteht eine Therapiepause von über 12 Monaten. In der letzten Verlaufskontrolle im April 2006 zeigte sich weiterhin ein normales Blutbild. Man sieht aber wiederum einen Anstieg des M-Proteins.

In nächster Zeit wird höchstwahrscheinlich wiederum eine Therapie notwendig sein. Aufgrund der weiterhin bestehenden leichten Polyneuropathie ist diesmal bei einer Therapieindikation eine Kombination von Bortezomib mit Melphalan und Prednisolon vorgesehen. Bortezomib wird wegen der bestehenden Polyneuropathie in einer reduzierten Dosis von 1 mg/m² gegeben.

Lenalidomid (Revlimid®) beim Multiplen Myelom und Myelodysplastischem Syndrom

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Medizinische Universität Wien
Univ. Klinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Onkologie
Programmdirektor für Multiples Myelom und maligne Lymphome

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Lenalidomid (Revlimid®) beim Multiplen Myelom und Myelodysplastischem Syndrom

Zusammenfassung der wissenschaftlichen Sitzung im Rahmen der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (ÖGHO) in Wels, 27. April 2006

Dieses Symposium wurde mit der Zielsetzung abgehalten, aktuelle Daten betreffend Lenalidomid beim Multiplen Myelom (MM) und Myelodysplastischen Syndromen (MDS) zu diskutieren sowie den aktuellen Stand der Verfügbarkeit von Lenalidomid kennenzulernen.

Zunächst gab Herr Prof. Ludwig einen Überblick über die Studiendaten von Lenalidomid beim MM. Herausragend sind dabei zwei Phase III-Studien, welche in den USA sowie in Europa durchgeführt wurden und sehr übereinstimmende Ergebnisse gezeigt haben. Bei beiden Studien wurde Lenalidomid plus Dexamethason mit Dexamethason (+ Placebo) bei vorbehandelten Patienten mit MM verglichen. Remissionsdaten, die Zeit bis zur Progression sowie die Gesamtüberlebenszeit waren im Behandlungsarm mit Lenalidomid + Dexamethason signifikant besser als mit Dexamehason. Obwohl Lenalidomid eine Nachfolgesubstanz von Thalidomid darstellt, ergeben sich relevante Unterschiede zwischen diesen beiden Substanzen: Einerseits scheint die Effektivität von Lenalidomid höher zu sein als jene von Thalidomid; z. B. findet sich bei zumindest 60% der Thalidomid-resistenten Patienten noch ein Ansprechen auf Lenalidomid. Andererseits liegt auch ein unterschiedliches Nebenwirkungsspektrum vor: Lenalidomid führt nicht zur Polyneuropathie und hat im Tiermodell keinerlei fruchtschädigende (teratogene) Wirkung. Blutgerinnsel im venösen System (Thrombembolien) werden beobachtet, wenn auch in etwas niedriger Häufigkeit als mit Thalidomid; aus diesem Grund wird eine Thromboseprophylaxe empfohlen. Die Hauptnebenwirkung von Lenalidomid besteht in einer Veränderung des Blutbildes, vor allem mit Erniedrigung der weißen Blutkörperchen (Neutropenie) und auch der Blutplättchen (Thrombopenie). Prof. Ludwig stellte abschließend auch einige Daten vom letzten Meeting der American Society of Hematology (ASH) im Dezember 2005 vor. Diese Studien untersuchten Kombinationen von Lenalidomid mit anderen etablierten Substanzen der Myelomtherapie (vielfach sehr frühe Ergebnisse, welche im Laufe dieses Jahres sicherlich erweitert werden). Erste Patienten wurden auch im Rahmen von Studien im Stadium der Erstlinienbehandlung mit Lenalidomid bzw. mit einer Kombination von Lenalidomid plus Melphalan/Prednison therapiert. Bei einer Gruppe von 29 unbehandelten MM Patienten ergab sich bislang eine Remissionsrate von 90%, darunter 18% von Patienten mit einer kompletten Remission. Diese Daten bedürfen natürlich einer Bestätigung, und das Schema von Lenalidomid plus Melphalan/Prednison ist für eine Prüfung als Phase III Studie vorgesehen.

Prof. Gisslinger stellte im Anschluss in seinem Beitrag einen Fallbericht einer Patientin, welche im weit fortgeschrittenen Stadium mit Lenalidomid behandelt wurde, vor. In dieser Phase des therapierefraktären MM (mit assoziierter Amyloidose) kam es innerhalb einer sehr kurzen Behandlungsphase mit Lenalidomid plus Dexamethason zu einer Remission der Erkrankung. Diese Beobachtung ist in Übereinstimmung mit einem Bericht vom letzten ASH-Meeting, wo die Effektivität von Lenalidomid bei primärer Amyloidose gezeigt wurde.

Ken Watters (Repräsentant der Firma Celgene in Europa) berichtete dann über die veröffentlichten Daten von Lenalidomid beim MDS. Dabei war vor allem die Wirksamkeit von Lenalidomid bei MDS Patienten mit einer besonderen Chromosomenveränderung (Deletion von Chromosom 5q) auffallend (signifikante Verbesserung der Blutbildwerte und Reduktion der Notwendigkeit für Bluttransfusionen). Diese Ergebnisse führten zur Zulassung von Lenalidomid für diese MDS-Entität in den USA, die Zulassung in Europa wurde beantragt.

Im folgenden Beitrag berichtete Ken Watters über die geplanten Studien. Von unmittelbarer Relevanz für Österreich ist dabei die geplante Phase IIIb-Studie für vorbehandelte MM-Patienten. Lenalidomid wird im Rahmen dieser Studie zur Verfügung gestellt und es wird primär die Verträglichkeit dokumentiert. Alle Myelomzentren sollen daran teilnehmen können, der beginn ist für September 2006 zu erwarten. Weiters ist eine internationale Phase III Studie geplant, welche bei unbehandelten Patienten (und ausserhalb der Indikationsstellung für eine Stammzell-Transplantation) Lenalidomid plus Melphalan/Prednison mit Melphalan/Prednison alleine vergleichend untersuchen wird. Auch hier ist die Teilnahme österreichischer Zentren vorgesehen. Schliesslich wird auch noch an einem Programm gearbeitet, welches die Verfügbarkeit von Lenalidomid noch vor der Zulassung für Patienten ohne andere Therapieoption ermöglichen soll. Obwohl Lenalidomid nicht teratogen ist, wird in den USA ein Sicherheitsprogramm wie bei Thalidomid angewandt. Ein solches Programm soll in Europa jedoch nicht eingeführt werden, da dies letztlich eine Behinderung des Zugangs zum Medikament darstellen würde. Es wurde besprochen, ein stark vereinfachtes Sicherheitsprogramm zu berücksichtigen, welches im wesentlichen den Vorsichtsmaßnahmen wie bei Chemotherapie entsprechen soll.

Zusammenfassend liegen somit eindeutige Daten vor, welche Lenalidomid als weitere besonders aktive Substanz für die Behandlung von Patienten mit MM belegen. Die schon bald bevorstehende Verfügbarkeit von Lenalidomid im Rahmen von verschiedenen Studienprogrammen ist gleichzeitig eine besonders erfreuliche Nachricht für MM Patienten in Österreich!

Effektive Zweitlinientherapie beim Multiplen Myelom mit Bortezomib (Velcade®)

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Medizinische Universität Wien
Univ. Klinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Onkologie
Programmdirektor für Multiples Myelom und maligne Lymphome

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Effektive Zweitlinientherapie beim Multiplen Myelom mit Bortezomib (Velcade®)

Kurzfassung des Beitrags im Rahmen der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (ÖGHO) in Wels, 27. April 2006

Bortezomib ist seit April 2005 für die Behandlung des MM im ersten Rezidiv zugelassen. Dies begründet sich mit den Daten der großen internationalen Phase III-Studie (APEX), welche Bortezomib mit Dexamethason bei vorbehandelten Patienten mit MM vergleichend untersuchte. Eine aktualisierte Auswertung ergab, dass die Ansprechraten im Bortezomib-Arm bei 43% liegen (noch besser als in der ursprünglichen Auswertung und signifikant vorteilhaft gegenüber Dexamethason). Diese Verbesserung des Ansprechens schlug sich auch in einer verlängerten Überlebenszeit nieder. Je früher Bortezomib eingesetzt wird, desto größer ist die Effektivität, weshalb der Einsatz als Zweitlinientherapie gerechtfertigt ist. Aktuelle Daten zeigen, dass Bortezomib unabhängig von der Vortherapie und auch bei MM mit ungünstigen Prognosefaktoren wirksam ist.

Wichtig bei der Therapie mit Bortezomib ist die Kenntnis des Nebenwirkungsspektrums sowie die entsprechende Reaktion darauf. Bekannt ist die – vorübergehende – Erniedrigung der Blutplättchen (Thrombopenie), welche nur in Ausnahmefällen zur Notwendigkeit der Dosisreduktion führt. Die periphere Neuropathie ist ebenfalls eine häufige Nebenwirkung bei vorbehandelten Patienten, und die rechtzeitige Dosisreduktion von Bortezomib ist dabei eine wichtige Maßnahme, welche zur Rückbildung der Nebenwirkung in der Mehrzahl der Fälle beiträgt.

Die Zukunft der Bortezomib-Behandlung als Zweitlinientherapie liegt sicherlich in der Kombinationsbehandlung (Dexamethason, Chemotherapie, wahrscheinlich auch Lenalidomid). Diesbezüglich sind noch mehr Studiendaten notwendig, um die Effektivität wie auch die Toxizität dieser Kombinationen näher einschätzen zu können.

Bortezomib – In Patients with Renal Failure [PDF, Englisch]

Unser Team hat sich wiederum vergrößert

04/10/2006 8:59:00 AM

Unser Team hat sich wiederum vergrößert!

Liebe Mitglieder, Mitpatienten, Angehörige und Interessierte!

Die nachstehend angeführten Mitglieder haben sich ebenfalls bereit erklärt, freiwillig, ehrenamtlich und unentgeltlich für Mitpatienten und Angehörige da zu sein. Ich bedanke mich für euer soziales Engagement und heiße Euch herzlich Willkommen in unserem Team!

Ursula Bosin

Freundsberg 47 / 6130 Schwaz
Tel 0043

(0) 650 / 73 00 334 / Mo-Fr 18-20 Uhr

E-Mail schreiben

Somit haben wir weitere engagierte Kontaktgruppen in Tirol und Kärnten.

Ein herzliches Dankeschön an ALLE freiwillig, ehrenamtlich und unentgeltlich tätigen Mithelfer!

Elke Weichenberger
Obfrau und MM Patientin