Archive for Juni, 2007


11th International Multiple Myeloma Workshop

06/30/2007 3:05:00 PM

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Medizinische Universität Wien
Univ. Klinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Onkologie
Programmdirektor für Multiples Myelom und maligne Lymphome

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Bericht vom “11th International Multiple Myeloma Workshop”
(Kos, 25.-29. Juni 2007 )

Im Rahmen dieser Konferenz, welche alle 2 Jahre abgehalten wird und die wichtigsten Ergebnisse der Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms (MM) zum Thema hat, wurden wiederum eine Reihe von wichtigen Erkenntnissen präsentiert (Teilnehmerzahl: 1700!). Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich in folgenden Schwerpunkten zusammenfassen:

Bedeutung der Remission für die Überlebenszeit

Seit dem letzten Meeting der American Society of Hematology (ASH) im Dezember 2006 ist die Wichtigkeit einer sog. Vollremission (komplette Remission, abgekürzt CR) für das Überleben von Patienten mit MM ein zentrales Thema. Bei der aktuellen Konferenz wurde deshalb auch eine pro- und kontra-Diskussion zu diesem Thema von namhaften Experten (Prof. Harousseau, Nantes, Frankreich; und Prof. Boccadoro, Turin, Italien) abgehalten. Insgesamt war diese Diskussion eine Präsentation von Studienergebnissen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, aber beide Diskutanten betonten die Wichtigkeit der Vollremission, lediglich die Definition der CR blieb offen (ist eine negative Immunfixation ausreichend? Welchen Stellenwert besitzt die Bestimmung der freien Leichtketten für die Definition der Remission? Benötigen wir eine noch empfindlichere Diagnostik?). Ganz klar definiert ist die Bedeutung der Vollremission im Zusammenhang mit der autologen Stammzelltransplantation: Wenn bereits nach einem Zyklus Hochdosistherapie eine CR vorliegt, ergibt sich kein Nutzen einer unmittelbar folgenden zweiten Transplantation. Umgekehrt profitieren Patienten von einer zweiten Transplantation, wenn nur eine partielle Remission vorliegt. Ähnlich stellt sich das Bild für eine Erhaltungstherapie mit Thalidomid nach autologer Transplantation dar: Wenn eine CR erreicht wurde, ergibt sich kein Nutzen aus einer Thalidomid-Erhaltunstherapie; bei einer partiellen Remission hingegen wird die progressionsfreie Zeit signifikant unter Thalidomid verlängert (Ergebnisse der französischen Studiengruppe, von M. Attal präsentiert).

Induktionstherapie vor Stammzelltranplantation

Im Zusammenhang mit der Diskussion über das Erreichen einer CR hat die Wahl der Therapie vor Hochdosistherapie einen besonders hohen Stellenwert erlangt. Bislang vor wenigen Jahren war die Chemotherapie nach dem VAD Schema eine Standardbehandlung , welche nun aber von der Kombination aus Thalidomid und Dexamethason abgelöst wurde. Aktuelle Ergebnisse zeigen aber, dass auch Thalidomid/Dexamethason nur relativ wenige Vollremissionen induziert, und dass dadurch die CR-Rate nach Hochdosistherapie nicht wesentlich gesteigert werden kann. Daher wird in aktuellen Studien der Effekt einer Induktionstherapie unter Verwendung von Bortezomib (Velcade) bzw. Lenalidomid (Revlimid) geprüft. Die französische Studiengruppe untersucht dabei die Kombination Bortezomib/Dexamethason im Vergleich zu VAD; bislang zeigen die Ergebnisse eine Verdopplung der CR-Rate bei Therapie mit Bortezomib/Dexamethason, was sich auch in einer Verbesserung der Remissionsraten nach autologer Transplantation niederschlägt. Weitere Daten sind natürlich erforderlich, aber die Daten bestätigen auch andere Studiendaten, welche besonders hohe Vollremissionen unter Verwendung von Bortezomib-hältigen Kombinationstherapien belegen.

Studiendaten zu Revlimid

Lenalidomid (Revlimid) stellt eine Weiterentwicklung von Thalidomid dar. Dabei ist die Wirksamkeit erhöht, während das Nebenwirkungsprofil deutlich verbessert wurde (insbesondere verringerte Müdigkeit und periphere Neuropathie; jedoch höhere Rate an Blutbild-Nebenwirkungen). Die Wirksamkeit der Therapie mit Lenalidomid/Dexamethason beim rezidivierten und Chemotherapie-refraktären MM ist mittlerweile gut dokumentiert; für diese Erkrankungsphase wurde Revlimid mittlerweile auch von der europäischen Zulassungsbehörde EMEA im Juni 2007 zugelassen.

Ganz aktuelle Daten betreffen vor allem die Erstlinientherapie mit Lenalidomid/Dexamethason, wobei die Reduktion der Dexamethason-Dosis in einer grossen amerikanischen Studie geprüft wurde. Konkret wurde eine monatliche Dexamethason –dosis von 160mg mit 480mg verglichen, bei beiden Behandlungen wurde eine idente Dosis von Revlimid (25mg täglich für 3 Wochen) angewandt. Die Kombination von Revlimid mit niedrigem Dexamethason war dabei in allen Punkten überlegen, sowohl betreffend Wirksamkeit als auch Verträglichkeit. Das Einjahres-Überleben betrug 94% (gegenüber 82% bei Revlimid/hochdosiertem Dexamethason).

Wiederholt wurde auf die weiterhin bestehende Thrombose-Rate (venöse Blutgerinnsel) unter Lenalidomid-hältiger Kombinationstherapie hingewiesen. Eine Thrombose-prophylaxe ist unbedingt erforderlich (z.B. niedermolekulares Heparin oder Acetyl-Salicylsäure).

Studiendaten zu Bortezomib (Velcade)

Zu Bortezomib wurden insbesondere Daten in der Kombinationstherapie vorgestellt. Die Möglichkeit der Kombination mit Dexamethason, aber auch verschiedenen Chemotherapeutika ist mittlerweile gut etabliert. Neue Studiendaten betreffen vor allem die Kombination von Bortezomib mit Cyclophosphamid (plus einem Kortison-Präparat), wobei vor allem von G. Morgan (London) sehr vielversprechende Ergebnisse einer solchen Kombinationstherapie vorgestellt wurden. Weiters zeigen die Daten von Orlowski, dass Bortezomib mit Doxil (einer speziellen Zubereitung von Doxorubicin) nicht nur bessere Remissionsdaten im Vergleich zu Bortezomib alleine liefert, sondern auch die progressionsfreie Zeit deutlich verlängert. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass diese Kombination eine Kortison-freie Behandlung darstellt.

Die gleiche Strategie wird bei einer Kombination von Bortezomib mit Lenalidomid verfolgt. Richardson (Boston, USA) zeigte erste Daten dieser Kombinationstherapie bei einem Kollektiv von stark vorbehandelten Myelompatienten, wobei bei mehr als 60% dieser Patienten ein objektives Ansprechen erreicht wurde (von Richardson wörtlich als „robuste und andauernde Remissionen“ bezeichnet). Diese Ergebnisse zeigen das Potential der sog. neuen Substanzen auf. Allgemein lassen diese Daten Behandlungsergebnisse erwarten, welche bislang lediglich unter Verwendung von hochdosierter Chemotherapie erreicht wurden.

Substanzen in früher klinischer Erprobung

Substanzen in früher klinischer Erprobung

Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Entwicklung weiterer neuer Substanzen zur Behandlung des MM rasch voranschreitet. So z. B. ergibt sich eine neue zielgerichtete Therapie aus der Erkenntnis, dass sog. „Hitze-schock-Proteine“ in entscheidende Abläufe des Stoffwechsels von Myelomzellen involviert sind. Eine Hemmung dieser Hitzeschock-Proteine ist ionsbesondere bei gleichzeitiger Bortezomib-Therapie ein vielversprechender Therapienasatz. Eine solche Kombinationstherapie wird auch in Österreich noch im laufe dieses Jahres im Rahmen einer klinischen Studie verfügbar sein.

Weiters in Entwicklung sind neue Proteasomen-Inhibitoren, welche – im Gegensatz zu Velcade – noch weitere Elemente des Proteasoms blockieren, und somit möglicherweise noch wirksamer sind (Substanzen mit den Namen PR171 und NP10052).

Schliesslich haben auch die Erkenntnisse über die genetischen Grundlagen des MM dazu geführt, dass bestimmte Zielstrukturen als Angriffspunkte für neue Medikamente erkannt wurden. Diese Substanzen stehen aber erst am Anfang der Entwicklung.

Trotz der etwas schwierigen Rahmenbedingungen für diese Konferenz (zeitweise deutlich über 40°C) war die positive Stimmung über die neuen Entwicklungen stets präsent. Die raschen Fortschritte der letzten 2 Jahre lassen erwarten, dass auch die nächsten Kongresse wiederum durch Highlights der Myelomforschung geprägt sein werden.


Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig richtet Stiftung ein

06/10/2007 8:20:00 AM

10.000 US$ für finanziell in Not geratene Myelompatienten – Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig richtet Stiftung ein

Hohe Auszeichnung für Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig – er erhielt am 7. Juni 2007 in Wien den Robert A. Kyle – Preis verliehen

Im Rahmen des diesjährigen EHA – Kongresses in Wien erhielt unser Ehrenmitglied Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung – Zentrum f. Hämatologie und Onkologie am Wilhelminenspital in Wien eine große internationale Auszeichnung, den Robert A. Kyle – Preis verliehen. Dieser Preis, benannt nach dem Gründer der Myelom-Forschung an der Mayo-Klinik (USA), wird von der IMF (International Myeloma Foundation) vergeben und stellt eine internationale Würdigung für Wissenschafter dar, in deren Lebenswerk die Erforschung von Therapiestrategien gegen das Multiple Myelom eine wesentliche Rolle spielt.

Heinz Ludwig Univ. Prof. Dr. Heinz LudwigVorstand der 1. Medizinischen Abteilung
Zentrum für Onkologie und Hämatologie, Wilhelminenspital, WienMehr Informationen…

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig ist schon seit vielen Jahren führend in der Behandlung des Multiplen Myeloms national und international tätig und vielen von Ihnen auch persönlich als hervorragender Arzt, der sich sehr kompetent und persönlich für uns Patienten einsetzt, bestens bekannt.

Der “Very special evening”, zu dem auch unsere Obfrau Elke Weichenberger und Begleitung eingeladen waren, fand bei herrlichem Frühsommerwetter im glanzvollen und dem Anlass entsprechenden Ambiente des Wiener Kursalons statt. Es war ein unvergessliches Erlebnis für alle Anwesenden (300 geladene Gäste).

Und es war ein “Very special evening”, auch für unsere Obfrau Elke Weichenberger. Zur Überraschung aller wurde neben Frau Dr. Kathrin Strasser-Weippl und OA Dr. Niklas Zojer unsere Elke von Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig dazu auserkoren, über die widmungsgemäße Verwendung des Preises in Höhe von US Dollar 10.000 zu wachen, mit welchem Herr Univ.Prof. Dr. Ludwig eine Stiftung für finanziell in Not geratenen Myelom Patienten einrichtete..
Nochmals herzlichen Glückwunsch, Herr Professor Ludwig, und danke für das Vertrauen, das Sie unserer Obfrau Elke Weichenberger entgegenbrachten!