11. Oktober, 2007

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Medizinische Universität Wien
Univ. Klinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Onkologie
Programmdirektor für Multiples Myelom und maligne Lymphome

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Jahrestagung von DGHO/ÖGHO/SHG/SGMO
Basel, 05.10.–09.10.2007

In den Fortbildungssitzungen sowie in den Symposien betreffend der „neuen Substanzen“ in der Behandlung des Multiplen Myeloms (MM) wurde der gegenwärtige Stand der Behandlung zusammengefasst. Diesbezüglich ergeben sich seit den letzten Studienergebnissen, die insbesondere im Juni 2007 beim International Myeloma Workshop präsentiert wurden, keine relevanten Neuerungen.

Die Highlights der Myelom-Forschung des Jahres lassen sich demnach aus klinischer Sicht wie folgt zusammenfassen:

  • Bestätigung der Daten betreffend Melphalan/Prednisolon (MP) plus Thalidomid (MP-Thal) als effektive Erstlinientherapie für den älteren Patienten mit MM (die Studie der französischen Gruppe IFM wurde dieser Tage veröffentlicht). MP-Thal ist effektiver als MP hinsichtlich aller Parameter (Remissionsrate, progressionsfreie Zeit, Gesamtüberlebenszeit).
  • Hohe Remissionsraten, insbesondere komplette Remissionen, unter Bortezomib-hältiger Kombinationstherapie, wobei dies für jede Therapielinie zutreffend ist. Einer Presseaussendung zufolge zeigt sich die Kombination von MP mit Bortezomib (MP-V) dem alleinigen MP-Schema hinsichtlich progressionsfreier Zeit signifikant überlegen (eine erste Auswertung der Studiendaten wird beim ASH-Meeting im Dezember vorgestellt werden).
  • Lenalidomid zeigt eindrucksvolle Aktivität bei Kombination mit niedrig-dosiertem Dexamethason (40mg einmal pro Woche entsprechend 160 mg pro Monat). Dieses Schema zeigt besonders gute Daten hinsichtlich Effektivität als auch Nebenwirkungsprofil und sollte daher der Kombination Lenalidomid + hochdosiertes Dexamethason (480 mg pro Monat) vorgezogen werden.
  • Therapie mit den neuen Substanzen ist auch für „Risikopatienten“ (anhand der bisherigen Definition vorwiegend auf Basis der Behandlung mit Chemotherapie) vorteilhaft: Bortezomib-hältige Kombinationstherapien können durch den raschen Wirkungseintritt zu einer Verbesserung der Nierenfunktion bei MM-Patienten führen, welche ein akutes Nierenversagen als Komplikation des MM erlitten haben. Der ungünstige Verlauf bei zytogenetischen Risikofaktoren kann durch Bortezomib-hältige Kombinationen überkommen werden; diesbezüglich liegen Daten sowohl für Patienten mit rezidiviertem MM als auch in der Erstlinientherapie vor (z.B. MP-V). Erste Ergebnisse mit MP + Lenalidomid sprechen ebenfalls für Wirksamkeit dieser Therapie bei MM-Patienten mit Risikofaktoren.

Aktuelle Daten aus dem wissenschaftlichen Programm

Die Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom (DSMM) präsentierte aktualisierte Daten zur Kombination von Lenalidomid mit Adriamycin + Dexamethason (RAD-Schema) als Therapie für das rezidivierte MM (Abstract V127). Bei 69 Patienten (im median bereits 2 vorangegangene Therapielinien) wurde ein Ansprechen bei 78% der Patienten beobachtet, insbesondere 22% komplette Remissionen und zusätzlich 52% der Patienten mit sehr guter partieller Remission. Die Nebenwirkungen waren hauptsächlich gut steuerbare Blutbilsveränderungen. Diese Daten zeigen eine eindrucksvolle Aktivität des Schemas hinsichtlich der Ansprechraten bei einem Kollektiv von stark vorbehandelten MM Patienten.

Die in Deutschland häufig eingesetzte Substanz Bendamustin wurde in einer Reihe von Präsentationen diskutiert. Beispielsweise hat Bendamustin, vor allem in Kombination mit Prednisolon bzw. Dexamethason, dokumentierte Aktivität beim vorbehandelten MM (z.B. 35% Ansprecharaten bei stark vorbehandelten Patienten, mediane progressionsfreie Zeit 7 Monate; Poster P360). Kombinationen mit neuen Substanzen sind ebenfalls möglich und laut ersten Daten vielversprechend, z.B. Bendamustin + Prednisolon + Bortezomib (BPV, Poster P362).

Bendamustin ist in Österreich noch nicht zugelassen, ist aber bei vorbehandelten Patienten über sog. Klinikanforderung erhältlich.